Künstlerinnen
und Künstler
der Galerie:
Stephan Brenn
Piotr Dluzniewski
Brigitte Dunkel
Ulrich Görtz
Frank Herzog
Gabriele Horndasch
Katharina Jahnke
Bärbel Messmann
Gunter Reski
Kim Reuter
Ralf Schauff
Corinne Schneider
Barbara Schüttpelz
Rolf Steiner
Brigitte Dunkel
Hirngespinste
16. Dezember 2007 bis 9. Februar 2008
Man kennt das. Da stockt einem das Blut, es gefriert oder das Herz bleibt
einer stehen, vor Schreck. Besonders das Herz scheint ein Medium zu sein
in der geheimen Sprache der Organe, von der auch die Hirngespinste erzählen,
die uns Brigitte Dunkel zeigt. Als die Leber noch der Sitz des Lebens war,
sprach man auch den anderen Organen noch einen Eigensinn zu, der im Zeichen
von Apparatemedizin und Körpertechnologien altertümlich wirkt.
So altbacken wie vielleicht die Baisers, die uns in dieser Installation an
Hirne denken lässt, an die Substanz unseres Geistes. Das aber das Gehirn
der Ort des Denkens ist, scheint die Künstlerin mit ihrer Geheimsprache,
dem eigenen Code, den ihre Arbeit entfaltet, zugleich infrage zu stellen.
Die fünf Sinne wirken in ihren Bilderrahmen wie Ikonen auf einem Altar,
dargeboten zur Andacht und zum Gedenken, ohne indes zu ermahnen. Die Hand,
als der Ort wenigstens des schreibenden Denkens, der Vermittlung von Sprache
in der Schrift, dem Ort aber auch des Eingreifens, des Tuns, spinnt im Netz
aus Daten ihren eigenen Text. Sinne und Sensoren: Sensoren nehmen Impulse
auf, die von der Hand ausgehen und koppeln sie an einen anderen Organismus,
den der Maschine. Unschuldig ist diese Technologie nicht, obschon sie wunderbarerweise
mit dem Einhorn eine Nachbarschaft eingegangen ist. Sowohl der Handschuh
als auch der Vorhang verweisen auf einen anderen Schauplatz, eine andere
Szene. Im Vorbeigehen taucht hier vielleicht etwas anderes auf, sieht der
Flaneur nicht, was er weiss, ahnt aber was er fühlt. Auch das Gehirn
ist ein Organ, das vielleicht spinnt, vielleicht erkennt, vielleicht erkennt,
indem es spinnt. Davon aber haben wir keine Ahnung. Wenn die Organe uns etwas
zuraunen, in ihrer Sprache, dann lohnt es sich vielleicht im besten Sinne
der frühen Romantik, diese Fragmente ebenso ernst zu nehmen, wie die
Bilder, die diese Schaufensterinstallation sinnlich erfahrbar macht. Bon
Appetit!
Stefanie Wenner
