All Creatures Great and Small
Präsentationen des Kreatürlichen
9. September bis 18. Dezember 2005
Zu den frühesten Tierdarstellungen, ja den ältesten erhaltenen
künstlerischen Schöpfungen der Menschheit überhaupt zählen
die Höhlenmalereien aus Spanien und Frankreich vom Ende der letzten
Eiszeit vor etwa fünfzehntausend Jahren. Die technisch raffinierten
und ästhetisch auch heute noch überaus faszinierenden Beschwörungen
von Mammuts, Bisons, Höhlenbären, Löwen, Hirschen, Wollnashörnern,
Pferden oder Schlangen in Altamira und Lascaux zeugen vom frühen menschlichen
Umgang mit Tieren als Feinden, Gefährten, gefürchteten und bewunderten,
mystisch-beseelten Wesen. Der Mythos Jagd wird bis heute kultiviert, wenngleich – ohne
die existentielle Notwendigkeit der Nahrungsbeschaffung und Verteidigung
- heftig umstritten. Auch der Status von Tierschauen und Zoos zwischen Bildung
und Belustigung, Arterhaltung und Kasernierung, unterliegt kritischer Revision.
Im
Laufe der Jahrtausende haben sich durch Domestizierung, Erforschung, Züchtung
und fast uneingeschränkte Nutzbarmachung, aber auch Ausrottung
vieler Tierarten gesellschaftliche Sehweisen, moralische Haltung und Umgangsformen
gegenüber Tieren grundlegend gewandelt. Geblieben ist eine – wenn
auch meist unterschwellige, verdrängte – Faszination und Anziehung zur
Tierwelt. Kaum ein Bereich des menschlichen Alltags kommt auch heute ohne
Tierdarstellungen aus (Gebrauchsdesign, Spielzeug, Wappen/Logos, etc.), aus
der Kunst sind Tiermotive in keiner Epoche ganz verschwunden. In Sagen, Märchen
und Fabeln begleiten uns Tiere seit Jahrhunderten, in Comics und Filmen seit
Jahrzehnten. Werbung und Psychoanalyse arbeiten noch immer mit den Symbolwerten
einzelner Tiergestalten.
Die Einladung zu einer Themenausstellung mit Tierdarstellungen
erging zunächst
an die einzelnen Künstler des Salons, ursprünglich war nur ein
gutes Dutzend Arbeiten geplant. Der Gedanke löste jedoch eine unerwartete
Lawine weiterer Vorschläge aus. Viele der Künstler empfahlen noch
KollegInnen, die sich ebenfalls mit dem Thema befassen, und so kuratierten
bald die Künstler das Projekt. – Der Ausstellungstitel bezieht sich
auf eine beliebte englische Fernsehserie der 70er/80er Jahre, zu deutsch „Der
Doktor und das liebe Vieh“, nach biografischen Erzählungen eines
Land-Tierarztes, in der humorvoll Episoden über die Beziehung von Menschen
zu ihren Haus-, Hof- und Schoßtieren geschildert werden.
Dem Charakter
des Salons entsprechend werden eine Vielzahl von kleinformatigen (nicht nur
Kunst-) Objekten und Bildwerken, etwa hundert Exponate von mehr als achtzig
Künstlern (auf 15 qm!), der verschiedensten Sujets und Medien
gezeigt, an die Tradition der Wunderkammern und Kuriositätenkabinette
der Renaissance anknüpfend, in denen mannigfaltige Fund- und Sammelstücke,
exotische Pflanzen- und Tierpräparate, Miniaturen und Kunstobjekte nebeneinander,
ohne die später erarbeiteten wissenschaftlichen Ordnungssysteme, zur
reinen Belehrung und Ergötzung zur Schau gestellt wurden.